Interview: Simone Dubs, Mehrkampfmeisterin

«Sportliche Erfolge für Zürcher Polizisten», hiess die Überschrift einer kleinen Notiz in einer kürzlichen Ausgabe der NZZ. «Simone Dubs erreichte den Tagessieg an den zweiten Ostschweizer Polizei–Mehrkampfmeisterschaften», war weiter zu lesen. Ein Beitrag zu diesem Anlass mit einem Interview mit der Thalheimerin wurde auch im «Tele Züri» ausgestrahlt. Ich nehme an, dass nur wenige Einwohner unserer Gemeinde diese Berichte gesehen oder gelesen haben. Vielen hingegen ist Simi Dubs ein Begriff, sei es durch ihre Vereinstätigkeiten, ihre Erfolge an diesem oder jenem Turnfest in der Region oder ganz einfach, weil man sie schon als Kind hier kannte. Simone Dubs ist in Thalheim aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, hat nach der Sekundarschule in Andelfingen eine Lehre als Schreinerin erfolgreich abgeschlossen und nach einem Auslandaufenthalt in Australien nun ihre Zweitausbildung als zürcher Kantonspolizistin begonnen. Mit den Erfolgen an den Polizei–Mehrkampfmeisterschaften hat sie sich für die Europameisterschaften in Polen qualifiziert. Ein paar Tage vor der Abreise konnte ich mit der sportlichen jungen Frau ein Gespräch führen. Ob sich ihre Erwartungen für den internationalen Wettkampf in Polen erfüllt haben, werden wir diesem Interview in einem Kurzbericht anfügen.

Zuerst Schreinerin, jetzt Polizistin, Simone, das sind zwei ganz verschiedene Berufe. Wieso dieser Wechsel?

Es stimmt, Polizistin ist etwas ganz anderes. Viele Leute konnten meinen Entscheid, zur Polizei zu gehen, nicht verstehen. Die Polizei hat mich schon immer interessiert. Aber auch der sehr kreative Schreinerberuf hat mir Spass gemacht. Stehenbleiben ist eben nicht meine Art. So beschloss ich nach der Lehre und einem Auslandaufenthalt, mich für die Ausbildung als Polizistin zu bewerben.

Erzählst Du uns etwas über diese Ausbildung und Deine jetzigen Tätigkeiten?

Ja. Im Februar 97 habe ich mit einem fünf–monatigen Schulblock begonnen. Danach wurde ich in den Bereitschaftsdienst in Zürich eingeteilt. Hier gehören vor allem Gefangenentransporte, Bewachen der Kaserne, Patrouillieren im Hauptbahnhof, Aussensicherung bei Bankalarmen oder Aufnehmen bei Diebstählen zu meinen Aufgaben. Im nächsten Februar schliesst dann nochmals ein Fachkurs an, und im Juli 99 werde ich die Ausbildung abschliessen. Mein Ziel wäre es, später auf dem Land als Polizistin tätig zu sein.

Bist Du ein Landmensch?

Ja. Schon als Kind war ich viel bei meinen Grosseltern oder in der Nachbarschaft auf dem Bauernhof anzutreffen. Früher wollte ich mal Bäuerin werden.

Nun wohnst Du nach einem kurzen Abstecher wieder im Dorf, wo Du Deine Kindheit verbracht hast, obwohl Deine Eltern mittlerweile weggezogen sind. Es scheint, dass Du Dich hier zuhause fühlst?

Ich habe in Thalheim eine sehr schöne Kindheit verbracht und fühle mich hier wirklich wohl. Als ich dann diese Wohnung fand, war der Entscheid, wieder hierher zu ziehen, nicht schwer. Da finde ich Ruhe und Abstand zu meinem Beruf.

Polizistin zu sein stelle ich mir nicht immer einfach vor. Wie steckst Du die belastenden Seiten des Berufes weg?

Wichtig ist, dass man Dinge, die man schwieriger verarbeiten kann, mit jemandem bereden kann. Ich habe aber keine Probleme damit. Das gehört eben zum Beruf. Es gibt da auch schöne Erlebnisse, wenn man zum Beispiel jemandem Hilfe anbieten kann. Der Beruf gefällt mir sehr.

In Deinem jetzigen Beruf ist wohl die sportliche Ausbildung ein wichtiger Punkt?

Ja, vor allem im Grundkurs war viel Sport dabei.

Wieso bist Du so sportlich geworden? War es Talent, Vorbild, Erziehung?

In meinem Elternhaus war Sport immer ein Thema. Meine Eltern waren beide aktiv im Turnverein, und auch bei mir hat alles in der Mädchenriege angefangen. Später nahm ich an Läufen teil, habe Leichtathletik trainiert und eigentlich immer Freude am Sport gehabt. Die Fahrten mit dem Velo zur Schule und Arbeit nach Andelfingen waren für mich so etwas wie ein Gratis–Training. Ich bin sehr gerne an der frischen Luft und heute trainiere ich eigentlich jeden Tag irgend etwas. Durch meine Tätigkeit im Schichtbetrieb kann ich das mit meiner Berufsausbildung sehr gut unter einen Hut bringen. Für Sport nahm ich mir immer Zeit. Ich bin wohl ein Energiebündel. Für mich ist Sport eine sehr gute Entspannung und ein Ausgleich zum übrigen Tagesablauf.

Dann ist da noch Dein Pferd, das auch gefüttert und gemistet sein will!

Das stimmt, auch das braucht seine Zeit, die ich mir aber gerne nehme. Beim Reiten und Arbeiten im Stall kann ich mich ebenfalls erholen und auftanken für die Arbeit. Mein Pferd bedeutet mir sehr viel.

Und nun zu Deinem sportlichen Erfolg an den Polizei–Mehrkampfmeisterschaften. Was muss man sich unter diesem Wettkampf vorstellen?

Also, es ist ein Polizei–Fünfkampf mit den Disziplinen Schiessen, Schwimmen, Kugelstossen, Weitsprung und einem Lauf, was meine Lieblingsdisziplin ist. Schiessen und Schwimmen musste ich auf diesen Wettkampf trainieren, hingegen die Leichtathletik und vor allem der Lauf waren kein Neuland für mich. Ostschweizer Polizei–Mehrkampfmeisterschaft heisst der Wettkampf, weil er in der Ostschweiz ausgetragen wurde. Es nahmen aber auch Gastsektionen aus der ganzen Schweiz teil. Normalerweise wird ein solcher Wettkampf an zwei Tagen ausgetragen, die diesjährige Polizeimeisterschaft fand aber an einem Tag statt.

Den Sieg hast Du wohl einem harten Training zu verdanken?

Ich habe schon recht viel trainiert und mich so optimal auf diese Meisterschaft vorbereiten können. Das Lauftraining absolviere ich ohnehin ungefähr alle zwei Tage.

Und nun geht es also nach Polen.

Ich freue mich sehr darauf. Nervös bin ich noch nicht, aber das kommt sicher noch vor der Abreise.

Hast Du Dir ein Ziel gesetzt?

Ich hoffe einfach, dass es mir gut läuft. Die Konkurrenz bei den Frauen wird gross sein. Es wird eine Gruppen– und eine Einzelwertung geben und ich wünsche mir, dass ich meine Resultate bestätigen kann.

Simone, wir drücken Dir für diese Europameisterschaften die Daumen und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg in Deiner sportlichen Karriere.

Marlies Schwarz

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