Leserbrief: Nicht zu Hause in Stammheim?

Wie ich aus Gesprächen mit älteren Leuten immer wieder heraushöre, haben die meisten Mühe mit den Gedanken, einmal im Alters- oder sogar Pflegeheim zu wohnen. Ganz offensichtlich kommt auch zum Ausdruck, dass Stammheim doch eben nicht so der Ort sei, wo sie sich zu Hause fühlen könnten.

Alle Bekannten sind in Seuzach …

Die Gründe dafür habe ich teilweise auch vernommen. (Ich versuche es einigermassen so weiterzugeben, wie ich es verstanden habe.)

Wir kennen dort ja niemanden.

Wer besucht uns dort? (Liegt nicht am Weg.)

Altiker Senioren, die wir noch kennen würden, sind in Seuzach.

Das sind so die drei Aussagen, die ich persönlich sehr ernst nehme. Auch begreife ich diese Argumente sehr gut. Man muss sich nur in die Situation eines 70–80 jährigen Menschen versetzen: Fünfzig Jahre in Thalheim-Gütighausen gelebt, Freunde, Bekannte, Verwandte, alle in der näheren Umgebung, die Kinder haben eigene Familien, eines Tages allein (Partner/in gestorben), noch aktiv genug, Haus und Garten selbst zu besorgen. Plötzlich schwinden die Kräfte, der Tag X ist da, man schafft es nicht mehr allein. Die Gedanken, alles aufzugeben und zusätzlich noch in ein fremdes Dorf, zu fremden Leuten zu ziehen, das drückt schwer auf das Gemüt. Die Kinder sind weiter weg, die Nachbarin ist auch nicht mehr so gut zu Fuss und hat kein Auto. Die Senioren/innen im Dorf haben doch eher die Chance, nach Winterthur mitgenommen zu werden, nach Stammheim fährt man doch schon eher weniger. Kinder aus dem Dorf sieht man auch nicht mehr, obwohl man sich an ihnen gefreut hat und ihr Gedeihen verfolgt hat. Wie gerne würde man auch wieder mal den Friedhof besuchen. Alles muss man fragen, obwohl man früher so eine selbständige Person war. War’s das? Fragt man sich vermutlich öfters.

Gerade jetzt lohnt es sich, über das Projekt Alterswohnungen zu sprechen

Meiner Meinung nach wäre es sicher ideal, in unserer Gemeinde ein paar Alterswohnungen zu haben. Sicher werden sich einige von unseren Lesern jetzt sagen: Wir haben ja einmal eine Umfrage gemacht, ob sich Interessenten für solche Wohnungen melden würden. Es hat sich niemand gemeldet. Stimmt! Für ein solches Vorhaben müsste behutsameres Vorgehen angewendet werden. Das ist nicht ein Entscheid, den man allein in der Stube über einem Blatt Papier gebeugt fällen kann. Meine Überzeugung ist, dass es sich in unserer Gemeinde lohnen würde, über ein solches Projekt zu sprechen, gerade jetzt, wo man über den Verkauf «unserer Schulhäuser» spricht.

Marlis Rengel

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